DEUTSCHE IN RUSSLAND. GESCHICHTE


Russlanddeutsche oder Deutsche in Russland sind eine Gruppe von Menschen, die auf wunderbare Weise in ihrem Bewusstsein zwei Kulturen verbinden und keine Möglichkeit haben, sich eindeutig zu einer davon zu zählen. Entgegen der landläufigen Meinung beschränkt sich die Geschichte der Vermischung dieser beiden Weltbilder nicht auf die Ereignisse des 20. Jahrhunderts und den trockenen Begriff „Repatriierung“. Die Chronologie der deutsch-russischen Beziehungen umfasst schon fast 500 Jahre. Unsere Tabelle weiter unten erzählt von den wichtigsten Ereignisse dieser Periode.


„Jeder kann sich niederlassen, wo er möchte“ (Manifest von Katharina II.,1763)



Chronologie

1549

In Wien erscheint der Reisebericht von Herberstein. Er informiert die Öffentlichkeit über die politische Verfassung in Russland.

1652

In Moskau wird die „Deutsche Kolonie“ gegründet, eine Siedlung für Europäer. Damals nannte man alle Anderssprachigen „Deutsche“.

1727

In Russland erscheint die deutschsprachige „St. Petersburger Zeitung“. Von 1916 bis 1991 wird sie nicht verlegt.

1763, 22. Juli

Katharina II. erlässt ein Manifest, das Ausländern die Ansiedlung in Russland erlaubt und Privilegien verleiht

1789, Juli

Gründung von Chortiza, der ersten Mennonitensiedlung am Dnepr, der sog. „alten Kolonie“.

1800, 6. September

Kaiser Paul I. unterzeichnet ein Gnadenprivileg, das den Mennoniten zusätzliche Rechte verleiht.

1804, 20. Februar

Alexander I. erlässt ein Ansiedlungsmanifest mit besonderem Fokus auf Bauern.

1838, 9. November

Eine Verfügung von Kaiser Nikolaus I. bestätigt die Rechte der Kolonisten.

1842

Die Vorschriften zur Verleihung der Staatsbürgerschaft an die Kolonisten werden geregelt.

1871, 4.-16. Juli

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg werden viele Privilegien inkl. der Selbstverwaltung abgeschafft.

1914, 1. August

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs sieht man ethnische Deutsche als Feinde, obwohl sie in der russischen Armee dienen.

1915, 27. Mai

Während des antideutschen Pogroms in Moskau werden Geschäfte geplündert, 40 Menschen verletzt und drei getötet.

1917, 20.-23. April

Erster allgemeiner Kongress und Gründung des Zentralkomitees der Russlanddeutschen.

1918, 3. März

Frieden von Brest-Litowsk mit Zusatzklausel über die Repatriierung der Deutschen.

1918, 19. Oktober

Per Dekret wird an der Wolga ein autonomes deutsches Territorium gegründet, das als „Arbeitskommune“ bekannt ist.

1924, 6. Januar – 20. Februar

Die Stadt Engels wird zur Hauptstadt der neuen Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen.

1929, November – Dezember

Von 14 000 Deutschen erhalten nur 5600 die Erlaubnis zum Umzug nach Deutschland. Die Übrigen werden zwangsweise in ihre früheren Gebiete zurückgebracht.

1938

Mit Ausnahme der ASSR der Wolgadeutschen werden in allen deutschen Schulen des Landes Russisch und Ukrainisch als Hauptunterrichtssprache eingeführt.

1938-1939

Außerhalb der ASSR der Wolgadeutschen verschwinden alle autonomen deutschen Gebiete.

1941, Juli-Dezember

Die Deutschen, die in Westrussland und am Schwarzen Meer leben, werden deportiert.

1941, 28. August

Mit dem Dekret über die Umsiedlung der Wolgadeutschen beginnt die Deportation in den östlichen Landesteil.

1944, 10. April

350 000 Deutsche aus Odessa werden zum Erhalt der deutschen Staatsbürgerschaft nach Warthegau umgesiedelt.

1945, 8. Mai

Nach der bedingungslosen Kapitulation der faschistischen Truppen werden die Deutschen aus allen besetzten Gebieten in den Osten deportiert.

1948, 26. November

Erlass des Obersten Sowjets über die lebenslange Verbannung. Das Verlassen der Gebiete ohne Genehmigung wird mit 20 Jahren Lagerhaft bestraft.

1955, 22. Februar

Auf Beschluss des Bundestages gelten die in den Kriegsjahren erteilten Staatsbürgerschaften als rechtmäßig.

1955, 13. Dezember

Auf Beschluss des Obersten Sowjets sind die Rechte von Deutschen in Sondersiedlungen nicht mehr beschränkt.

1959, 24. April

Deutsch-Sowjetischer Vertrag über die Familienzusammenführung.

1964, 29. August

Per Ukas werden die Wolgadeutschen teilweise rehabilitiert.

1966, 19. Dezember

Internationaler Vertrag über das Recht auf ungehinderte Einreise und den Schutz nationaler Minderheiten. 1973 von der UdSSR anerkannt.

1989, Ende März

Gründung der Gesellschaft „Wiedergeburt“, deren Hauptziel die Förderung der Gemeinschaften von ethnischen Deutschen im Wolgagebiet ist.

1991, 1. Juli

Wiedererrichtung von Halbstadt, eines aufgelösten nationalen deutschen Bezirks im Altai-Gebiet.

1992, 10. Juli

Deutschland und Russland beschließen den fünfjährigen Wiederaufbau des Gebiets der Wolgadeutschen.

1992, August

Die Einwohner von Saratow stimmen gegen die Gründung einer autonomen deutschen Region.

1993, 26.-28. Februar

Beschluss zur Bildung eines zwischenstaatlichen Rates der Russlanddeutschen.

1993, 15. Dezember

Gründung der gesellschaftlich-staatlichen Stiftung „Russlanddeutsche“.

1996, 1. März

Das zweite Gesetz über die Festlegung eines Wohnortes tritt in Kraft.

1997, April

Dank dem Internationalen Verband der Deutschen Kultur wird „Moskauer Deutsche Zeitung“ wieder gedruckt.

1997, 8. Juli

Die Regierung der RF beschließt, die Russlanddeutschen sozial, wirtschaftlich und kulturell zu fördern.

1997, September

In der Malaja Pirogowskaja Ulitsa in Moskau findet die feierliche Eröffnung des Deutsch-Russischen Hauses statt.

1997, 18.-19. Dezember

Kongress der Repräsentanten der Föderalen Nationalen Kulturautonomie der Russlanddeutschen.
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